Sobibór WVZ 1932a Graphit auf Papier 20 x 30 cm; © Martin Eller

Ein Fundstück bei den Ausgrabungen in Sobibór. Die Zeichnung zeigt einen Kettenanhänger aus Silber, der von Archäologen bei den jüngsten Ausgrabungen in Sobibór gefunden wurde. Ein Kind mag dieses kleine Schmuckstück getragen haben. Der deformierte Kreis um den Davidstern wirkt wie ein Symbol für die durch die Shoah deformierte Welt. Der Stern ist im unteren Bereich nach oben gewölbt durch die Gewalteinwirkung, Wirkung und Symbol für den Aufstand von Sobibór, im Oktober 1943.

Die Skizze war als Vorarbeit gedacht für ein Gemälde (zum Thema ‚Homo homini lupus‘). Vielleicht ist dies mahnende Zeichen aber nicht dafür geeignet, gemalt und damit ästhetisch überhöht zu werden; oder noch hässlicher dargestellt zu werden, als hier schon auf der vorbereitenden Zeichnung. Beides lenkte von der Bedeutung dieses Symbols in unzulässiger Weise ab.

„Sobibór“, WVZ 1932a
Graphit auf Papier 20 x 30 cm

Nach längerem Nachdenken erscheint mir jetzt allein schon die Idee zu diesem Bild beinahe wie ein Frevel. Überhaupt ist zu Fragen, ob Kunst die richtige Auseinandersetzung mit dieser Menschheitskatastrophe sein kann. Seit die Literatur um die Gruppe 47 diese Frage aufgeworfen hat, wurde sie noch nicht beantwortet. Vielleicht kann wirklich nach Ausschwitz und nach Sobibór kein Gedicht mehr geschrieben, kein Bild mehr gemalt werden.

Aber zugleich muss gefragt werden: könnte es überhaupt ein wichtigeres Thema geben für die Kunst, als dieses? Ein einziger Blick in die tägliche Nachrichtenflut zeigt doch, daß der Holocaust nicht im Bewusstsein der vielen Akteure ist, die das Geschick der Menschheit bestimmen, daß dem Antisemitismus und anderen Diskriminierungen von Minderheiten weltweit entschiedener entgegengetreten werden müsste.

Das ist nicht nur ein Versagen von Politik und Philosophie, sondern auch ein Versagen der Kunst.