"Ono", WVZ 1889 90 120 von Martin Eller

Suchten Landschaftsmaler, vor wenigen Jahrzehnten noch, bei Kunsthändlern um Ausstellungsmöglichkeiten nach, wurde häufig zurückgefragt: Malen sie auch Staffage? Auf diese Frage konnten Landschafter häufig nur falsch antworten; Landschaften hatten nach den konservativen Weltbildern erfolgreicher Kunsthändler in Kurstädten mittels Staffagefiguren „belebt“ zu sein, angeblich brauchte ein Bild solche (überkommenen) Elemente, um „Tiefe“ zu haben; nach der anderen Ansicht erfolgreicher Kunsthändler in den Industriezentren hatten Landschaften „Ruhe auszustrahlen“, damit die geplagte Menschheit Entspannung finde. Ironischerweise hängen die Gemälde in Wohnungen meistens an der Wand hinter dem Sofa, während vor demselben die zunehmend gigantischer werdenen Bildschirme der postmodernen 0/1-Kultur prangen, welche die ganze Aufmerksamkeit auf ziehen.

"Ono", WVZ 1889 90 120 von Martin Eller
„Ono“, WVZ 1889 90 120

Bei diesem Bild ist m. E. etwas anderes gelungen. Weder ist die junge Frau eine Staffagefigur, auch wenn sie durch ihre deutlich Platzierung im Vordergrund den Raumtiefeneindruck sehr verstärkt, noch ist es ein eindeutiges Landschaftsbild, obgleich diese im Bild (durch ihre etwas übertriebene „sommerliche“ Farbigkeit) sehr stark betont ist. Aus normaler Betrachterentfernung gesehen scheint sogar die komplexe Schattenbildung im Gesicht des Modells zur Stimmung in der Landschaft zu passen, in dem sie den hohen Sonnenstand des frühen Nachmittags spürbar werden lässt.

Das Bildthema mit jungen Fotografinnen wurde noch in mehreren anderen Variationen bearbeitet. Der Titel ist einfach von dem Schriftzug auf dem Kameragurt im Bild abgenommen.

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