"La lisière du bois", WVZ 1734, Öl auf Leinwand 100 x 130 cm (Verkauft); © Martin Eller
"La lisière du bois", WVZ 1734, Öl auf Leinwand 100 x 130 cm (Verkauft); © Martin Eller
„La lisière du bois“, WVZ 1734, Öl auf Leinwand 100 x 130 cm (Verkauft); die Frühlingsszene zeigt einen Waldweg zwischen Gründau und der Ronneburg.

Ich bin Maler; nenne ich irgendwem meinen Beruf, hält derjenige mich in der Regel für einen Anstreicher, weil es als selbstverständlich gilt, den übergeordneten Begriff ‚Künstler‘ zu nennen anstatt zutreffend das Fach, in dem man arbeitet. Wenn es sich vermeiden lässt, korrigiere ich das Missverständnis nicht. Aber es stimmt ja auch: ich streiche Leinwände an; ich mache Bilder.

Als ‚Maler‘ entgeht man eher den fruchtlosen Kunstdiskussionen mit Besserwissern. Bei Thomas Mann sagt der Künstler Adrian Leverkühn (im Roman Doktor Faustus ) verächtliches über das Werk und den Künstler als Begriffe, als handele es sich um bloße Fassade, ein angehängter Signifikant, welcher mit etwas Bedeutendem assoziiert werden soll:

Das ‚Werk‘! – es ist Trug! Es hat den Ehrgeiz, glauben zu machen, dass es nicht gemacht sondern entstanden und entsprungen sei … nie ist ein Werk so hervorgetreten, es ist ja Arbeit. Kunst-Arbeit zum Zwecke des Scheins. Das ‚Werk‘! Es ist etwas, wovon der Bürger möchte, es gäbe das noch.

Thomas Mann (1875 – 1955), Doktor Faustus

Tatsächlich hat die Malerei vielmehr handwerkliche Anteile in sich, als gemeinhin angenommen wird. Ich glaube nicht, daß die großen Maler und Bildhauer den ganzen Tag mit dem Gedanken beschäftigt waren, ob sie dieses oder jenes tun oder lassen sollten, um ja als rechter Künstler zu erscheinen. Die oft beschworene Künstlerpersönlichkeit ist m. E. nicht so wichtig, wie gerne behauptet wird – vor allem in den Branchen Kunstbiografie und Kunsthandel, die von diesem Mythos leben. Viel wichtiger sind die Erfahrungen aus der Zeit, in der ein Maler lebt, und womit er sich beschäftigt.

Wenn Pablo Picasso recht hat, ist der Künstler derjenige, der ausschließlich von seiner Kunst lebt und nicht etwa noch Taxi fährt nebenbei. So gesehen wäre ich schon dreißig Jahre Künstler. Er sagte aber auch, daß ein Maler malt, was er verkauft, und ein Künstler verkauft, was er malt. Danach wäre ich erst wenig mehr als zehn Jahre ein Künstler.