WVZ 1656 100 100 "Kiefer, Wasser, Licht" von Martin Eller, Öl und Tempera auf Leinwand 100 x 100 cm (verkauft)

Zur Hochzeit der „Paysage intime“ und der „Schule von Barbizon“ im Neunzehnten Jahrhundert waren solche Landschaftsausschnitte wie in dem Bild hier noch nicht üblich. Die „vertraute Landschaft“ mit bekannten und unspektakulären einfachen Ausschnitten aus dem dörflichen und bäuerlichen Leben war immer ein vollständiges Stück: Der Baum mit dem Grund auf dem er und der Betrachter steht, mit einigen Sträuchern, einem fernen Hügel und dazwischen ein Feld, auf relativ kleinen Format – das war die Mindestanforderung an eine kleine Landschaft. Der Bildausschnitt oben ist hingegen eindeutig der Fotografie geschuldet.

WVZ 1656 100 100 "Kiefer, Wasser, Licht" von Martin Eller, Öl und Tempera auf Leinwand 100 x 100 cm (verkauft)
WVZ 1656 100 100 „Kiefer, Wasser, Licht“ von Martin Eller

Erst mit der Fotografie ist der kleinste Ausschnitt aus der Landschaft als Bildaussage entstanden. Das hier gezeigte Motiv wäre um 1850 noch gar nicht verstanden worden. Es ist eine moderne Landschaftsauffassung, auch wenn es immer wieder heißt, die moderne Malerei dürfe sich nicht mit Naturansichten beschäftigen, da diese unpolitisch seien. Die gemalte Ansicht einer modernen Großstadt, in kühnen Strichen und in grauen Tönen, gilt hingegen als politisch, weil in diesem Motiv die sozialen Verhältnisse automatisch mit abgebildet seien – m. E. ist das typisch moderner Unsinn. Wer ohnehin in der Stadt wohnt braucht nicht auch noch eine gemalte Stadt im Wohnzimmer an der Wand. Und die unsinnige nachträgliche Hineininterpretation von irgendwelchen angeblich von vorneherein gemeinten Inhalten führt nur zu ebenso peinlichen wie durchschaubaren „Aussagen“, die in der Rethorik des des Kunstbetriebes ziemlich banal „Positionen“ heißen.

Kunst ist stets einfach und sollte auch nur einfach betrachtet werden.

Einfach betrachtet ist hier ein Baumstamm in so grellem Gegenlicht zu sehen, daß er fast schwarz erscheint. Mir gefielt die harte grafische Form des Stammes vor dem weichen welligen Wasser. Das Bild fand viel Beachtung und wurde sehr schnell verkauft, weil die Spiegelungen so gut getroffen seien. Die Sonnenreflexe sind aber das am leichtesten zu malende Detail in diesem Bild: Während die Zweige, die buschigen Kiefernadeln und die dunklen Wellenschatten sehr präzise gezeichnet sein müssen, um „echt“ zu wirken, dürfen die tanzenden Lichter auf den Wellenkämmen im Vordergrund nur weich und „schwimmend“ gehalten werden, in dem man sie leicht mit dem Finger vertreibt, um den überstrahlenden Effekt zu erreichen. Das Weiß für die Spitzlichter ist durch einen warme Ockerton leicht ins gelbliche zu brechen; gelb (etwa Kadmiumgelb) würde mit dem darunterliegenden blau der Wellen ins grüne Umschlagen und schmutzig wirken.

Wie alle Landschaftsstücke im Gegenlicht ist auch dieses eher das Ergebnis von relativ einfachen malerischer Techniken; das Gegenlicht wirkt allein schon durch den Kontrastumfang im Bild und macht es dadurch attraktiv.

Scroll Up