Etude d’après Cézanne

Stilleben, Zeichnung von Martin Eller, 1991

Vorbereitungszeichnung für ein Gemälde (1991) zur Übung:
ein selbst zusammengestelltes Stilleben im Stil des Meisters.

Ich verwende Zeichnungen nur zur Vorbereitung. Eine Zeichnung ist m. E. stets ein Entwurf. Das ist in Maschinenbau und Architektur gerade so wie in der bildenden Kunst. Die präzise auschattierten und gehöhten Zeichnungen der alten Meister, die wir zu Recht bewundern, wurden von diesen auch eher als Übung oder Vorarbeit denn als fertiges Werk betrachtet.

Damals, als ich dieses Stilleben malte, war ich von Cézanne so fasziniert, das ich über hundert seiner Bilder aus dem Venturi-Katalog nachmalte. Die starken Konturen zur Betonung der Künstlichkeit, die stets gleichwertige Behandlung aller Details, die Ordnung des Bildraumes allein über Farbe, die Reduktion starker Fluchtlinien zugunsten der Flächenwirkung – das war für mich wie eine Offenbahrung. Cézanne hat mich zur Malerei gebracht.

Seidem nutze ich in Zeichnungen die parallelen Schraffuren wie Cézanne, die nicht der Körperform folgen (z. B. bei dem vorn liegenden Apfel). Das erinnert daran, beim malen Farbflächen zu verwenden (wie beim natürlichen sehen) – und nicht Linearstrukturen mit dem Pinsel nachzuzeichnen (was unwillkürlich zu einer übertrieben wirkenden Körperhaftigkeit führt, ein häufig zu sehender Fehler).

Wenn ich eine Empfehlung geben soll: Studieren Sie die Cézannes! Er ist der erste wirklich moderne Maler und für uns alle Vorbild, weil er ganz allein auf sich gestellt, zeitlebens Missverstanden, die Grundlagen moderner Kunst erarbeitet hat. Die Befreiung der Farbe von alten Formen der überkommenen, bürgerlichen Vorstellungen, die Gleichsetzung aller Bildgegenstände, die Eroberung des ganzen Bildraumes für die überall gleichwertige malerische Faktur, die Einbeziehung leerer Stellen auf der Leinwand in die Bildgestaltung – all das ist sein Vermächtnis an uns.