Sobibor, Vorzeichnung, Graphit auf Papier 20 x 30 cm; nach einem Fundstück der archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslager Sobibór. Ein Kind wird diesen kleinen silbernen Anhänger getragen haben.
Die Skizze war als Vorarbeit für ein Gemälde zu einer verworfenen Serie gedacht: homo homini lupus (der Mensch ist dem Menschein ein Wolf). Doch dann erschien es mir frevelhaft, ein religiöses Symbol zu nutzen, um das Inferno auszudrücken. Seitdem muss ich immerzu an das Kind in diesem grauenhaften Lager denken.
Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.
Theodor W. Adorno , Kulturkritik und Gesellschaft (1949)
Das ist das Dilemma der Kunst. Zuvor hat Kunst den Weg in die Vernichtung der Zivilisation, den Weg nach Sobibór, nicht verhindern können. Vor dem Hintergrund der Shoah, dem sich keine wirkliche Kultur entziehen darf, kann Kunst sich bis heute nicht als zivilisationsschaffende Kraft behaupten, die einen erneuten, sich schon ankündigenden Kulturzusammenbruch wirklich verhindern kann.
