Naumburger Meister, Markgräfin Uta, Mitte 13. Jahrhundert, Sandstein

Es muss ein unglaublich kreativer, zur bildnerischen Vorstellung herausragend befähigter Steinmetz gewesen sein, der Naumburger Meister. Die Stifterfiguren im Naumburger Dom sind exorbitant hervorragende Kunstwerke, Beispiele für die grandiose französiche Steinmetzkunst der Hochgotik. Die Figuren zeigen einen Moment wie ein Standbild in einem Film: Das Herrscherpaar scheint wohlwollend gelangweilt die Huldigung der Menge zu ihren Füßen zur Kenntnis zu nehmen. Kalter Wind hat wohl die Königin erfasst und lässt sie blinzelnd ihren Mantel schützend an die Wange legen.

Sie scheint sich ein wenig abzuwenden von ihrem Gatten, der, in die Jahre gekommen und gemütlich geworden, nur noch zu Anlässen die Attribute der Ritterschaft führend, wieder mal Probleme mit dem herunterrutschenden Schildriemen hat. Kühl und erhaben ist Uta daneben das Idealbild der Herrscherin.

Naumburger Meister, Markgräfin Reglindis, Mitte 13. Jahrhundert, Sandstein
Naumburger Meister, Markgräfin Reglindis, Mitte 13. Jahrhundert, Sandstein

Die übrigen zehn Stifterfiguren im Westchor des Domes stehen der Uta und dem Ekkehard in der Lebendigkeit nur wenig nach. Wo hat man denn schon einmal eine so gelungene Darstellung einer lächelnden Frau gesehen, wie in der Figur der Reglindis? Ein auffahrender, das Schwert ziehender Ritter ist dabei, dem ein intellektueller, ruhig und besonnen wirkender als Pendant entgegengestellt ist. Eigentlich ist in den Stifterfiguren jede menschliche Regung dargestellt: Wut, Trauer, Langeweile, Glauben, Bildung, Freude.

Alle Figuren wirken wie echte Portraits lebender Personen. Kurioserweise sind die Skulpturen untrennbar in dem Bauwerk vermauert, d. h. sie müssen an Ort und Stelle zumindest fertigbearbeitet worden sein. Sie sind so nicht nur ideell, sondern tatsächliche Stützen des Kirchenbaues.

Mit dem Lettner und dem Diakon sind weitere hervorragende Arbeiten des Meisters zu sehen. Der Besuch des monumentalen Domes lohnt in vielfacher Weise. Ach ja, da gibt es auch die Glasfenster von Neo Rauch in der Elisabethenkapelle; kann man sich ansehen, muss aber nicht sein.