Walter Benjamin

Walter Benjamin hat in seiner kunstheorethischen Schrift Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit die Aura des Kunstwerkes durch Unnahbarkeit, Echtheit und Einmaligkeit zutreffend definiert. Darin befürchtet Benjamin den Verfall der Aura des Kunstwerks durch die Reproduktion und folgert, daß durch die Reproduktionsmöglichkeiten notwendig Kunstwerke entstehen werden, die von vorneherein auf die Möglichkeit der Reproduktion abgestellt sind – also keine Kunstwerke sind, sondern Matrizen zur Reproduktion. Diese Ansichten können nicht sinnvoll bezweifelt werden, wie auch die nicht zum gleichen Thema von Ernst Gombrich und Theodor W. Adorno.

In der Malerei findet Kunst, wenn überhaupt, nur im Original statt; in einer Reproduktion, gleichgültig wie technisch Perfekt diese ausgeführt sei, ist sie nicht erfahrbar.

Nun kann nicht jeder sich ein Originalkunstwerk leisten, oder man ist vernarrt in einen Cézanne, den kein Museum gegen noch so viel Geld, wenn man es denn hätte, herausrücken würde. Oder ein Original ist bereits verkauft. In diesen Fällen ist eine Reproduktion einziger Ausweg und daher legitim. Es ist besser, man hat von einem guten Originalkunstwerk einen guten Kunstdruck zu Hause an der Wand, als gar kein Bild; Bilder bilden.

Auf Papier läßt sich die Farbtiefe in der Reproduktion ja auch wirklich gut wiedergeben. Aber: die überall zu beobachtenden Versuche, diese unsäglich flachen, durch die Lichtstreuung am Fadenkorn und wegen der notwendigen Dünnflüssigkeit der Farbtinten farbschwachen, kontrastarmen „Giclée-Drucke“ auf „Künstlerleinwand“ [sic], nichts anderes als billige Tintenstrahldrucke auf einem Maschinengewebe, als „Originale“ [sic] und „limitierte Auflagen“ zu stilisieren und den Leuten eine Menge Geld dafür abzunehmen – ist da ja auch noch ein „Künstlerkeilrahmen“ aus „echtem“ Holz dran -, grenzt an arglistige Täuschung und ist typisch für den „Kunsthandel“ unsere Zeit, in dem der Zweck, der Gewinn, offenbar jedes Mittel heiligt.