WVZ 1789 80 120 „Il giardino dei nostre viccini“ von Martin Eller Öl auf Leinwand 80 x 120 cm (verkauft)

Nach einer alten Volksweisheit ist der Garten des Nachbarn immer schöner, als der eigene. In diesem Bild ist der Garten aber schon lange vernachlässigt, die Gartenmauer verfällt genauso wie die Scheune und das steinerne Gartenhaus. Es sind solche pittoreske Szenen, vielleicht weil sie nostalgische Gefühle auslösen, die bei den Sammlern besonders gut ankommen; gerade, wenn das Bild eine mediterrane Wirkung entfaltet. So wurde dieses Bild schon am ersten Ausstellungstag von einem meiner freundlichen Stammkunden angekauft.

WVZ 1789 80 120 „Il giardino dei nostre viccini“ von Martin Eller Öl auf Leinwand 80 x 120 cm (verkauft)
Il giardino dei nostre viccini“

Beim malen einer solchen Szen ist darauf zu achten, daß mehr Schattenflächen als Licht zu sehen ist. Im Bild ist dieses m. E. nicht ganz gelungen, der Mittelgrund bei den Sträuchern und Bäumen ist etwas „überlichtet“. Denn es sind die Schattenfarben (Hauswand rechts) und der Halbschatten (vom Reflexlicht des Sandweges beleuchtete Gartenmauer mit dem Tor), welche die Farbigkeit zeigen. Sind die Schattenflächen zu klein, vermag das Vorstellungsvermögen des Betrachters die Lichtspitzen nicht richtig zu relativieren, welche das Glitzern im Laub der Bäume und die gleißende helle Himmelsfläche evozieren sollen.

Zu diesem Thema passt das folgende Bonmot:

Gebt mir eine Handvoll Dreck, und ich male Euch damit die Haut der Venus, wenn ich nur die Farben drum herum bestimmen darf!

Eugène Delacroix

Das ist natürlich pathetisch übertrieben, illustriert aber die Wirkung des Simultankontrastes (oder auch Chevreul-Täuschung genannt): Zur Unterscheidung von Gegenständen nimmt der Sehsinn an deren Grenzen Komplementärfarben wahr. Das ist bei der Wahl der Schattenfarben zu berücksichtigen. Allgemein gilt, daß die Schatten dünn, lokalfarbig mit Beimischung der Komplemäntärtöne der Lichtfläche und vor allem möglichst ohne Mischungen mit weiß gearbeitet werden sollen. Diese Regeln wurden schon von Rubens beachtet. Ob mit dieser Technik die modernen Vorstellungen für gegenständliche Malerei immer noch erfüllt werden, ist eine andere Frage. Geht es um die Darstellung der Mittagshitze im Schatten eines Gartenhauses, scheint sie jedenfalls zu funktionieren.

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