"Le grand nuage" von Martin Eller

In einem idealen Bild geht es m. E. vorwiegend um Logik und Relationen, nicht bloß um Inspiration und Emotionen. Die Bildzeichen darin haben Funktionsform, sie verhalten sich relativ zum Abgebildeten. Nicht die „Erhabenheit der Natur“ (oder irgendein anderer metaphysischer Unsinn), sondern das einfache so-sein der Natur selbst, so wie sie eben ist, erscheint unter diesem Gesichtspunkt der je einzig mögliche Bildgegenstand zu sein: Logische Bilder zeigen das, was a priori als Gegenstand im Bild möglich gewesen wäre.

In meiner Arbeit suche ich nach einer konsistenten Möglichkeit, Bilder der Form (∃x);ƒ(x) in Malerei und Grafik umzusetzen ([∃x];ƒ[x] ⇒ „es existiert x; Funktion x“). In der Fotografie scheint dies ohne weiteres möglich. In Texten und verschiedenen Bildern habe ich die Grundüberlegungen zum logischen Bild dargelegt (Traktat „Außer der Zeit“). In diesen Arbeiten ist die Natur durchgängig als logisch-physikalische Struktur vorgestellt. Konstituierend für das logische Bild ist die logisch-physikalische Wirklichkeit, die ich mit dem Existenzquantor ∃ notiere.

Vor diesem Hintergrund kann m. E. die Malerei nicht als bloßer Realismus, Naturalismus oder Mimesis missverstanden werden. Sie ist vielmehr der unausgesetzte Versuch, das wesentliche des Bildgegenstandes (im Sinne von Thema des Bildes) möglichst klar herauszustellen. Die folgenden Sätze aus dem Traktat sind die Kerngedanken zum logischen Bild:

  • 2.1.14
    Das mögliche natürliche Bild ist das logische Bild; es besteht aus den konvergierenden Ergebnissen aller Natur­wissenschaften.
  • 6.2.10
    Logik eröffnet das mit der Wirklichkeit übereinstimmende logische Bild.
  • 6.2.11
    Das logische Bild bildet die Logik ab.
  • 6.2.11.1
    Daß die Logik durch das logische Bild abgebildet wird, ist u. a. daran zu sehen, daß ein der Geometrie widersprechendes Bild unmöglich ist.
  • 6.2.11.2
    Das logische Bild zeigt das, was a priori als Gegenstand im Bild möglich gewesen wäre.
  • 6.2.11.2.1
    Malerei a priori gibt es nicht.
  • 6.2.11.3.1
    Es gibt kein logisches Bild mit einer falschen Darstellung wie es keines gibt, das einem anderen logischen Bild widerspricht.
  • 6.2.11.3.4
    Logische Bilder sind ausschließlich von logischen Zuständen möglich – also von den Relationen der logisch­-physikalischen Struktur.
  • 6.2.11.3.5
    Das logische Bild kann auch das natürliche Bild genannt werden.
  • 6.2.11.4
    Die Form des logischen Bildes ist: (∃x); ƒ(x).
  • 6.2.11.5.2.1
    Das logische Bild ist eine Tautologie (p ⇒ p‘ ∨ p’⇒ p) ; es ist immer „wahr“ (oder wahrscheinlich) ­ oder es ist kein logisches Bild.
  • 6.3.14
    Die Masse der Kunstwerke sind nicht­-logische Bilder.
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