Plage-D´Argent-IleDePorquerollesII, WVZ 1612, Öl auf Leinwand 100 x 120 cm (verkauft); © Martin Eller

Einen Baum so wiederzugeben, daß seine individuelle Erscheinung als Anmutung in einem Gemälde fühlbar oder sichtbar wird, ist dieselbe Aufgabe, die den Portraitmalern gestellt ist: Einen Baum als solitäres Motiv ist so schwierig malerisch darzustellen, wie eine menschliches Gesicht.

In einer Art dichterischer Zusammenfassung müssen gerade so viel Details der Rinde, der Zweige und des Laubs gezeigt werden, daß die Art des Baumes, seine Beschaffenheit, seine unverwechselbaren Eigenheiten sogleich klar erkennbar sind, ohne jede Wiederholung der Pinselzüge, der Formen, der Farben, ja selbst der Lokalfarbe nicht.

Es ist nicht möglich, durch „mechanisch“ wiederholte Malbewegungen das anscheinend überall gleich aussehende Laub überzeugend wiederzugeben; solche Iterationen fallen direkt störend heraus, obwohl ein regelmäßig gewachsener Laubbaum in vielen Teilen Selbstähnlichkeit aufweist. Denn durch seine verschiedenen Winkel zum Himmel, durch seine Lage im tiefen Baumschatten gegen die durchscheinende Fläche des Himmels, seine Lage im direkten oder indirekten Licht, leuchtet der geringste Teil des Laubes in seiner tatsächlichen Lokalfarbe.

Durch Störungen im Wuchs sieht jeder Bereich der Baumkrone anders aus. Dabei muss zugleich der Baum deutlich als eine selbstähnliche Einheit wahrgenommen werden können, die atmossphärisch in die Umgebung eingebunden sein muss, um überzeugend zu wirken. Wichtig ist auch die Betrachterposition: ein Beobachter sieht einen nahe stehenden Baum normalerweise in stehender Position mit natürlicher Kopfneigung (etwa 15 Grad nach vorn), sieht also den Baumstamm und nur die Unterseite der Krone; bleibt das unberücksichtigt, wirkt die Darstellung leicht befremdend.